Nachrichten über Kasimir

Februar 2, 2010

Maximen und Reflexionen

Abgelegt unter: Maximen und Reflexionen — derherausgeber @ 10:34 pm

Zur Pädogogik
Die professionelle Pädagogik ist der Versuch, das Bestehende fortzuschreiben unter dem Vorwand es zu verbessern.

Das einzige Spezifikum, das die professionelle Pädagogik gegenüber anderen Disziplinen besitzt, ist die Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte und der ihrer Institutionen.

Zur Psychoanalyse (einem Freund, Psychoanalytiker, beim Mittagessen verdankt)
Die Psychoanalyse ist eine anerkannte Form der Psychotherapie mit nachweisbarer Wirkung, deren durchschnittliche Durchführungsdauer die statistische Lebenserwartung der Klienten um ein Mehrfaches übersteigt.

Ein neues psychosomatisches Syndrom aus dem Umfeld der Leib-Seele-Problematik ist
der chronische Denkschmerz

Januar 17, 2010

Kasimirs Zettelkasten – Tagesnotizen

Abgelegt unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 9:38 pm

Januar, in grosser Kälte

Heute im Vorübergehen, unvermutet, Schuberts Winterreise. Kaum Zuhörer. Eine Gelegenheit, sich zu wärmen … Aber – wie die Vollkommenheit dieser komponierten Ausweglosigkeit ertragen? – Vor allem dort, wo man ihr nicht zu widerprechen vermag …

    Rast

    Nun merk’ ich erst wie müd’ ich bin,
    Da ich zur Ruh’ mich lege;
    Das Wandern hielt mich munter hin
    Auf unwirtbarem Wege.
    
    Die Füße frugen nicht nach Rast,
    Es war zu kalt zum Stehen;
    Der Rücken fühlte keine Last,
    Der Sturm half fort mich wehen.
 
 
Andererseits – immer wieder die Wegzeichen für die offenen Augen jener, die …
 

    
 
 
… weitergehen …

Januar 12, 2010

Kasimirs Zettelkasten – Sinntaktische Notizen 4

Abgelegt unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 11:35 pm

“Ich für mich kann, bei den mannigfaltigen Richtungen meines Wesens, nicht an einer Denkweise genug haben; als Dichter und Künstler bin ich Polytheist, Pantheist hingegen als Naturforscher, und eines so entschieden als das andre. Bedarf ich eines Gottes für meine Persönlichkeit, als sittlicher Mensch, so ist dafür auch schon gesorgt.”
Goethe an Jacobi, 6. Jan 1813
 
                          Wir sind
Naturforschend      Dichtend           Sittlich
Pantheisten           Polytheisten      Monotheisten
 
Goethe, Maximen und Reflexionen Nr. 807
In der Münchner Ausgabe Bd. 17:863; in der Hamburger Ausgabe Bd. 12, 1998, nicht enthalten.
 
Vgl. auch den hierzulande erstaunlicherweise weitgehend unbekannten Jaroslav Pelikan in Faust the Theologian. New Haven and London: Yale Univ. Press, 1995.

Dezember 5, 2009

Kasimirs Zettelkasten – Sinntaktische Notizen 3

Abgelegt unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 1:10 am

“So glauben Sie kein Schicksal? Keine Macht, die über uns waltet, und alles zu unserm Besten lenkt?”

“Es ist hier die Rede nicht von meinem Glauben, noch der Ort auszulegen, wie ich mir die Dinge, die uns allen unbegreiflich sind, einigermaßen denkbar zu machen suche; hier ist nur die Frage, welche Vorstellungsart zu unserem Besten gereicht. Das Gewebe der Welt ist aus Notwendigkeit und Zufall gebildet, die Vernunft des Menschen stellt sich zwischen beide, und weiß sie zu beherrschen, sie behandelt das Notwendige als den Grund ihres Daseins, das Zufällige weiß sie zu lenken, zu leiten und zu nutzen, und nur, indem sie fest und unerschütterlich steht, verdient der Mensch ein Gott der Erde genannt zu werden. Wehe dem, der sich von Jugend auf gewöhnt, in dem Notwendigen etwas Willkürliches finden zu wollen, der dem Zufälligen eine Art von Vernunft zuschreiben möchte, welcher zu folgen sogar eine Religion sei.” (MA Bd 5:70)

November 20, 2009

excerpta – über Anfänge: Das Testament des Alten Bibliothekars 2

Abgelegt unter: Excerpta — derherausgeber @ 8:21 pm

Aus den Büchern über die Bücher der Anfänge – 2. Stück

Niemand kennt die Zahl der Anfänge der Welt, so schrieb ich vor langer Zeit, an einem vergessenen Ort – aber vielleicht ist das Geheimnis noch grösser, vielleicht entströmt das Ganze der unendlichen Welt aus einer Quelle ….

Unter den unendlich vielen Bibliothekaren der Grossen Bibliothek gibt es die kleine, unbekannte Gruppe der Altgewordenen, den verbogenen Bund derer, die nicht mehr über unendliche Gänge und Treppen laufen, nicht mehr unendlich viele Bände sichten können um zu prüfen, ob sie in einer der bekannten Sprachen Sinnvolles enthielten …

Sie, die Verborgenen, teilen ein Geheimnis – sie sammeln Asche. – Die Asche der verbrannte Dochte in den Lampen, die sich seit undenklichen Zeiten wie von selbst erneuern. Sie sammeln sie zu Zwecken, die sie verbergen müssen …

Jene, welche die Weiten der Bibliothek durcheilen auf der Suche nach den Bänden mit verständlichen Worten und getrieben von den Sehnsucht nach den Büchern voll Sinn – sie sind verloren. – Wer eines von ihnen fände, müsste es verbergen, wollte er nicht alsbald von seinen Mitsuchern zu Tode gebracht werden. – Jene tragen keine Namen: Sie sind ALLE.

Anders aber die heimlich Ent-Eilten, die nicht mehr zu eilen vermögen, die schon zu lange wanderten und suchten. Sie, die einander nicht kennen, aber erkennen – am Faltenwurf ihrer weniger wehenden Gewänder, an den leise zögernden Schritten zwischen einem Regal und dem nächsten und – vor allem – an dem Glanz in den Augen und dem Lächeln, wenn niemand zu ihnen hinüberschaut – sie tragen den Namen, den sie sich selbst gaben und nie aussprachen.

Denn sie hatten die Asche. Und sie sammelten die Bücher, in denen sie nach langer Prüfung keine bekannte Sprache erkannt, keine Botschaft entdeckt und keinen Sinn geborgen hatten. – Sie besassen ein geheimes System, das es ihnen erlaubte, miteinander in Kontakt zu treten, Ideen, sinnlose Bücher und Asche auszutauschen, obwohl sie sich nicht kannten, nie begegneten und einander nie zu erkennen gaben. Und dennoch blieben sie in der unendlichen grossen Gemeinde der Bibliothekare nicht verborgen, obwohl noch nie ein Lebender einen von ihnen getroffen, erkannt und von ihm gesprochen hatte. Die Verborgenen aber hiessen mit dem Namen, den sie sich unausgesprochen selbst gegegen hatten: Die Logotheten.

In der Grossen Bibliothek aber gab es keine grössere Ketzerei als diesen Namen. Wann immer zwei Bibliothekare sich begegneten und ein mit Asche gezeichntes Buch fanden, so wussten sie: Einer der Logotheten hatte hier verweilt, ein Buch genommen, geprüft und es dann mit seinen Aschezeichen versehen. Und sie, die dieses Buch gefunden hatten, wussten, dass sie zu den Logozeten gehörten. Und erkannten ihre Verzweiflung – um darüber zu schweigen und wie beiläufig das gefundene Buch mitzunehmen, über andere Bücher zu reden. Und jeder versuchte, das Buch an sich zu bringen, um alsbald, nach dem Abschied vom dem Kollegen, der irgendwann in anderer Richtung weiterziehen würde, das Buch zu studieren, die Aschezeichen zu betrachten und zu erkennen, wozu sie gesetzt seien.

Im Laufe der Jahrtausende hatte niemand je einen der Logotheten gesehen und keiner sich selbst laut einen Logozeten genannt. Niemand hätte den Schrecken überstanden, denn das Eingeständnis, nach Büchern zu suchen, in denen sich lesbare Wörter, Sätze, Seiten fanden, sondern nach den Zeichen, die von menschlicher Hand neu geschrieben worden waren – es hätte bedeutet, die Existenz der Sinnschaffenden, der Sinn-Setzenden, einzugestehen.

Ich aber, nachdem ich alt geworden bin, Tausende von Kammern der Grossen Bibliothek durchwandert und erforscht, Zehntausende von Büchern entdeckt, in denen seit Anfang der nicht verrinnenden Zeit noch niemand einen Sinn gefunden, aber noch kein einziges der Verheissenen – nun also will ich hier, in dieser Kammer, dem vielleicht letzten von mir betretenen  Sechseck, zu Papier bringen, was ich hörte, ahnte, sah und tat.

Auch ich sammelte Asche …

Auch ich fand ihre Spuren …

September 9, 2009

Aus Kasimir Jukunds Frühschriften – Das Doppel-Passiv

Abgelegt unter: Schriften — derherausgeber @ 8:17 pm
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Erneut haben wir Gelegenheit, hier der geneigten Leserschaft eine Arbeit des jungen Jukund vorzustellen, die lange unbekannt war und nach ihrem Bekanntwerden sogleich als verschollen galt. Sie behandelt eine Variante der Passivbildung, die – bei rechter Würdigung – zu einer tiefgreifenden Revision der gegenwärtigen Grammatiktheorie führen wird.

Das Doppel-Passiv im Fluktu-Ambularischen.
Einem meiner linguistischen Väter gewidmet.
Von Kasimir Jukund, Portostipendiat der DFFG* und
Lektor an der virtuellen freien Universität der Fluktu-Ambularier.

In der berühmten Sprachgeschichte „Grundzüge der irdischen Sprachentwicklung vom Protoprimatischen zum Posthumanischen“ ** findet sich ein bisher wenig beachtetes Kapitel über das Fluktu-Ambularische. Es entstand, nachdem eine grössere Gruppe deutschsprachiger Ausgewanderten – die Abreise aus Europe datiert man heute etwa auf die Goethezeit – mit drei Schiffen in allerlei Unwetter und Seenöte gerieten, bis sie auf der Insel Fluktus im Gebiet der Kleinen Spicillinen Schiffbruch erlitten und dort lange Zeit isoliert lebten. So konnte das ursrpünglich deutsche Idiom der Ausgewanderten eine eigene Entwicklung duchlaufen und merkwürdige Besonderheiten ausbilden, über deren eine wir heute berichten wollen. Die Bezeichnung „Fluktu-Ambularier“ für diese Population verdankt sich dem Umstande, dass sie von Fluktus aus bald ein Leben als See- und Wandernomaden auf den Kleinen Spicillinen und den umliegenden Inselgruppen aufnahmen.

Wie schon das Deutsche kennt auch das Fluktu-Ambularische zwei einfache Formen der Passiv-Konstruktion. Betrachten wir den fluktu-ambularischen Satz:

1. Der Affe pflückt dem Mann eine Banane.

so hat dieser eine Ensprechung mit einer werden-Passiv-Konstruktion

1w. Eine Banane wird dem Mann vom Affen gepflückt.

und eine zweite mit einer bekommen-Passsiv-Bildung:

1b. Der Mann bekommt vom Affen eine Banane gepflückt.***

Im Fluktu-Ambularischen können nun – anders als im Deutschen – die Regeln des werden- und des bekommen-Passivs nacheinander angewendet werden, und zwar in beiden denkbaren Abfolgen.

Es exisitert also zu 1w.) auch der Satz

1wb. Der Mann bekommt vom Affen einer Banane gepflückt geworden.

Das demovierte Subjekt aus 1w. wird mit dem Genitiv markiert, scheidet also aus dem Kreis der nuklearen Satzmitspieler aus. Die Verwendung des Genitivs verwundert auf den ersten Blick, scheint dieser Kasus doch ansonsten in deutschen Nachfolgeidiomen eher zu erudieren, ist auf den zweiten Blick aber natürlich semanto-syntaktisch motiviert, wie der Blick auf 1bw. sogleich zeigt.

Zu 1b) existiert parallel eine Bildung mit zusätzlichem bekommen-Passiv:

1bw. Eine Banane wird für den Mann vom Affen gepflückt bekommen.

Auch hier wird mit der zweiten Passivbildung ein weiteres Argument aus dem Satznukleus entfernt. In beiden Doppel-Passiv-Sätzen verbleibt dort nur ein Satzargument.
Doppel-Passive beider Spielarten haben eine interessante Gebrauchsbedingung. Es ist nämlich möglich, oblique angeschlossen Argumente wegzulassen, so dass elliptische Varianten zu 1wb. und 1bw existieren:

1wb-e. Der Mann bekommt gepflückt geworden.
1bw-e. Eine Banane wird gepflückt bekommen.

Zu den Regeln des korrekten Gebrauchs im fluktu-ambularischen Dialog gehört nun der obligatorische Verzicht auf Rückfragen seitens des Hörers solcher Sätze nach den elidierten Mitspielern. In der englischen Literatur wird daher das Doppel-Passiv“ auch als „argument hiding“**** bezeichnet.

Vertreter der Universalgrammatik haben bereits – und wie wir glauben, mit Recht – darauf hingewiesen, dass die Entwicklung des Doppel-Passivs in einer Population ehemals deutschsprachiger Muttersprachler und ihrer Nachkommen (der bekannten Argumentation der fehlenden negativen – und diesem Fall sogar der fehlenden positiven! – Evidenz folgend) beweist, dass das Doppel-Passiv eine angeborene Disposition in der genetisch bedingten Aussstattung des menschlichen „language acquisition device“ sein muss. Welche Faktoren die Realisierung dieser Disposition und die Ausbildung des Doppel-Passivs im Fluktu-Ambularischen letztlich ausgelöst haben, ist nicht bekannt. Manche Nativisten – deren Annahmen über die materielle Weltwirklichkeit zuweilen ja herzerfrischend sein können – haben vorgeschlagen, der Seegang bzw. die Wirkung des wechselnden Untergrunds unter den Füssen der Fluktu-Ambularier habe diese Prozesse getriggert. – Wir staunen …

————————————–
* Anm. d. Hrsg.: Vgl dazu die Anmerkung in Jukunds Aufsatz „Über Brillen“, der hier bereits mitgeteilt wurde.

**Anm. d. Hrsg.: Bekanntlich konnte der Verfasser dieses Werkes, dessen einziges Exemplar – eben das Original-Typoskript – sich an unbekanntem Ort befindet, nie identifiziert werden. Konservative Stimmen behaupten, das Werk sei nie geschrieben worden und existiere nur in der Form des Gerüchtes seiner Existenz. Freisinnigere Denker hingegen sehen hier das Werk eines weitsichtigen Geistes, der vermocht habe, einen Aspekt der Selbsttranszendierung des homo sapiens scharfsinnig zu beschreiben. Radikalere Forscher sehen – seit die, anfangs noch recht farblosen, „grünen Ideen“ in der Syntaxtheorie als einer Theorie des menschlichen Geistes höchst bedeutsam wurden – in den „Grundzügen“ einen frühen, gleichzeitig aber immer noch unübertroffen aktuellen Beitrag zu Ökologie des menschlichen Geistes. -
Wir – unseren bekannten und bewährten editorischen Grundsätzen für die Herausgabe des Jukundschen Werkes folgend – halten all das für haltlose Spekulation.

***Anm. d. Hrsg.: Auf den ersten Blick erscheinen diese Sätze semantisch und morphosyntaktisch unauffällige Sätze des Deutschen zu sein. Ein zweiter Blick zeigt, dass dies nie und nimmer der Fall sein kann: Der zu 1. entsprechende Satz des Deutschen müsste heissen: Der Mann zieht dem Affen das Fell über die Ohren. Denkbare Varianten wärenn allenfalls: Der Bauer spritzt seinen Schweinen Hormone oder auch Egon haut Erna die Hucke voll (bzw. umgekehrt). – Fluktu-ambularische Sätze sind und bleiben unverwechselbar!

****Die SprecherINNEN des Deutschen können sich daher glücklich schätzen, dass die Bildung des Doppelpassivs vom deutschen Sprachsystem nicht zugelassen wird, andernfalls gäbe es Sätze wie *Eine beträchtliche Geldsumme wurde gezahlt bekommen – und niemand dürfte fragen: Von wem und an wen?

Kasimirs Zettelkasten – Sinntaktische Notizen 2

Abgelegt unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 8:06 pm
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Mitteilung vom 26. Aug. 2009

die sinnenden

die
sinnenden
gelangen
mit bangem
verlangen
auf langen
verwegenen
wegen
ins wanken
mit blankem
entsetzen
zu rankeren
sätzen
verletzen
zerfetzen
hetzen
zu den
beginn
enden zerrinnen
den sinnen
den den end
enden

Kasimirs Zettelkasten – Sinntaktische Notizen 1

Abgelegt unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 8:04 pm
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Mitteilung vom 26. Aug. 2009

Sucht man im Rückläufigen Wörterbuch der deutschen Sprache von Mater nach den Einträgen zu „Sinn“, entdeckt man, dass sie sich im Reigen der dort erhobenen Wörter zwischen Doppelkinn, das Sinn vorangeht, und Gewinn, welches auf Trotzsinn folgt, in den deutschen Wortschatz nach rückläufiger alphabetischer Reihenfolge einordnen.

Nichts Tiefsinniges geht voran, nichts Hochsinniges folgt … (Breitsinniges ist dem Deutschen nicht bekannt …)

Die Verben bieten kein sinnigeres Bild: Wieder folgt auf alles Sinnen das gewinnen, voran geht hier aber ein entrinnen …  Ist die Botschaft dieses Ausschnitts unseres inneren Wortschatzes denn, dass wir „entrinnen“ (aber welcher Kalamität?), um durch „Sinnen“ (worüber, wonach?) zu „gewinnen“ (ach, aber was?)?

Offene Sinn-Fragen …

PS
Notiere bei den Kofferwörtern das „Sinnfragezeichen“ und – vielleicht noch wichtiger – die „Sinnfrageintonation“. Nicht zu vergessen aber auch: Geruchssinnfrage (usw.) und“ Geschäftssinnlosigkeit“. – Von phonologisch-graphematischen Kalauern wie „Sinntax“, „Sinntaxonomie“ und dergleichen ist konsequent abzusehen.

Aus Kasimir Jukunds Frühschriften – Über Brillen

Abgelegt unter: Schriften — derherausgeber @ 8:00 pm
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Mitteilung vom 9. Aug. 2009

Im Konvolut der Manuskripte, die seinerzeit Lothar, dem Einsiedler, ausgehändigt wurden, befand sich der folgende undatierte Aufsatz, den Kenner der Materie aber Jukund als Verfassser zuordnen und in jener Lebensphase ansiedeln, in der er als Portostipendiat der DFFG weite Reisen unternahm, die verschiedenen Projekten der anthropologischen Linguistik gewidmet waren, deren geographischer Verlauf sich aber nicht mehr rekonstruieren lässt. (Spekulative Geister behaupten, er habe sich schon damals einige Zeit im Schwarzwald aufgehalten, andere hnigegen vertreten die Auffassung, er müsse Kontakt zu extraterrestrischen Kulturen gehabt haben. Wir stehen – aus selbsterklärenden Gründen – diesen Annahmen mehr als skeptisch gegenüber!)

Wir erhielten dieses Manuskript, das inzwischen für eine – wenngleich späte – Veröffentlichung in IBFOROS (wir berichteten) vorgeschlagen wurde. Wir haben das Vergnügen, angesichts des unsteten Erscheinungsrhythmus dieser Zeitschrift hier bereits einen Vorabdruck zugänglich machen zu dürfen:

Auf den Spuren Spinnazas: Vom sibrillinischen Orakel
zur modernen vergleichenden Brillologie.

Ein Forschungsüberblick im Auftrag der Deutschen Feucht-Fröhlichen Gesellschaft.
Von Kasimir Jukund, Portostipendiat* der DFFG.**

Es ist die vergleichende Brillenkunde, obgleich wenig bekannt, ein Gebiet, das den forschenden Geist, der sich ihm zuwendet, gar bald in seinen Bann schlägt und anhaltende forschende Bemühungen mit der reichen Frucht beglückender und tiefer Einsichten in die Fülle und Vielfalt (menschlicher) Natur belohnt.

Über manches Jahrhundert hinweg verharrte die Brillenforschung in ihrer vorwissenschaftlichen sammelnden Periode: Die Forscher kannten nur grobe und unsystematische Klassifikationen der verschiedenen Brillenformen:

Klassische Brillenformen

Klassische Brillenformen

Einen ersten Schritt auf dem Wege zu einer theoretisch begründeten Wissenschaft tat die Brillologie, wie dieser Zweig der Kulturanthropologie heute genannt wird, nach der Entdeckung Plurinasiens durch Bagatellus Spinnaza. (Auch über ihn kursierte einige Zeit das Gerücht, er habe nicht nur die nahen und fernen Meere bereist, sondern auch extraterrestrische Gefilde. – So wiederholt sich die Geschichte. – Anm. d. Hrg. )  Das gelehrte Publikum geriet zurecht in höchste Erstaunung, als Spinnaza von seiner zweiten grossen Reise  erste Kunde und eine Brille von den Binasiern, einem kleinen Volk mit heute unsicherer geographischer (bzw. astrographischer) Zuordnung heimführte:

brillengrafik 002Brille eines Binasiers

Dann folgten die heute schon Allgemeingut gewordenen Entdeckungen in rascher Folge – wir können sie hier nur bruchstückhaft wiedergeben:

brillengrafik 003Brille eines Trinasiers

Auch Varianten wurden bekannt:

brillengrafik 004Brille eines Separo-Trinasiers

Aber bald schon wurde nur zu deutlich, dass ein vollständiges System der Brillenformen die Anzahl der Ohren ihrer monaurischen, binaurischen, trinaurischen usw. Träger zu berücksichtigen habe:

(weiterlesen…)

Polykephalie und Polysomatie

Abgelegt unter: Biographisches, Schriften — derherausgeber @ 7:58 pm
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Mitteilung vom 4. August 2009

Als vor einigen Jahren Kasimir Jukund das lange verschollen geglaubte Manuskript des Bagatellus Spinnaza ‘De formarum perspicillarum variationibus et similitudine’ wieder entdeckte, jenem grundlegenden Werk der historischen Brillenkunde und funktionellen Brillentypologie, wurde das gelehrte Publikum wieder daran erinnert, dass der menschlichen Natur die Zahl der Augen, Ohren und Nasen keineswegs inhäriert, wenn anders denn erklärbar sein sollte, woher die mannigfaltigen Funde von Brillen mit mehr (oder weniger) als zwei Gläsern, einer Nasenstütze und zwei Bügeln stammen. Wie aus späteren Arbeiten und Veranstaltungankündigungen Jukunds ersichtlich ist, interessierte ihn im Verlauf der folgenden Jahre das Phänomen der Multicorticalität einleibiger Lebewesen (wir berichteten), das uns in den Spielarten der Mehrköpfigkeit und der Mehrhirnigkeit begegnet. Während insbesondere das Auftreten dicephaler Lebewesen gut dokumentiert ist, sind bisher Kreaturen mit zwei oder mehr Körpern, sogenannte Polysomaten, kaum bekannt geworden.
Auf diesem Hintergrund sind die Berichte über den jüngst entdeckten crocodylus disomaticus, einer zweikörperigen Krokodilspecies, umso beachtlicher. Auch haben wir das Vorrecht, hier erstmals ein Bilddokument dieser Tierart, deren Existenz ja aus theoretischen Gründen längst postuliert werden musste, vorlegen zu können.

crocodylus disomaticus

crocodylus disomaticus

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