Nachrichten über Kasimir

Dezember 14, 2011

Überstehn ist alles

Einsortiert unter: Excerpta — derherausgeber @ 8:21 pm

Die großen Worte aus den Zeiten, da
Geschehn noch sichtbar war, sind nicht für uns.
Wer spricht von Siegen? Überstehn ist alles.

R.M. Rilke, Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

Dies alles war natürlich nicht neu.

Aber auf den langen Wanderungen, die sie auf sich zu nehmen hatten, war es immer wieder neu zu sagen. Denn oft genug erschienen die Wege ohne Ziel, als führten sie in die Irre, im Kreise, in lange, dunkle Sackgassen, denen zu entfliehen noch grössere Mühen bereitete, als an ihr Ende zu gelangen.

Kein Ziel zu erreichen, aber die Wege in Worte zu verwandeln. Nicht die grossen Worte, aber die kleineren, unscheinbaren, die heute gesprochen, morgen zurück genommen werden müssen, um sie, ein wenig verändert, neu zu sagen, ein wenig genauer, ein wenig wahrer. Bis sie sich – eines Tages vielleicht, wie unbemerkt – zu einander fügen mochten, wie unbehauene Steine zu einem Turm, wie die Laute des Waldes, deren jeder seinen eigenen Ursprung und Klang besitzt, zu einem Lied, das den Raum füllt und doch niemand singt …

Überstehen und im Überstehen zu werden war der Auftrag ihres Gehens, ihrer täglichen Pflicht. Nicht stehen bleiben, nicht müde werden, nicht die Augen verschliessen, nicht verstummen …

Mai 6, 2011

Editorische Zwischenbemerkung aus dem Schwarzwald

Einsortiert unter: Uncategorized — derherausgeber @ 12:01 am

Soviel ist sicher – alles hätte auch ganz andes kommen können. -

Was nichts daran ändert: Die Dinge sind wie sie sind.

Und – hier im Schwarzwald – sind sie verwirrend …

Nicht nur vernimmt man, dass ein Spezialist für empirische Angelologie zum OGIAS gestossen ist, dessen Beziehungen – seien sie kontradiktorischer oder identifikatorischer Art – sowohl zu K. Jukund als auch zu Kasimir Viator, der bisher als lediglich literatisches Kleinfiktum betrachtet werden konnte, mehr als fragwürdig und rätselhaft sind.

Anderes beunruhigt noch mehr: Das GGIAS (wir berichteten) soll neuerdings – so der rumor im Schwarzwald – von der Internationalen Gilde der Teetrinker finanziell unterstützt werden. – Die Lunar State University(wir berichteten) bietet anscheinend seit Neuestem einen BA in „Beautiful Studies“, einen MA in „Still More Beautiful Studies“ und einen intergalaktischen PhD in „The Utmost Beautiful Studies“ an. – Soviel zu vernehmen ist, soll das zugehörige PhD-Menu – wir berichteten – von bisher unbekannter Eleganz sein. (Aus gewöhnlich sehr phantasie-vollen und unsicheren Quellen vernimmt man das Gerücht, dass einige Promovendi dieses PhD-Studiengangs nach Einnahme des initiierenden Festmahls sich in prekärer gesundheitlicher Situation mit nicht näher beschriebenen cerebralen Exzeptionalitäten wiedergefunden haben sollen! – Der Verbreitung solch unbestätigter rumores werden wir hier keinen Vorschub leisten!)

Schon seit langem wurde eine aktuelle Publikation des derzeitigen Direktors des GGIAS – wir berichteten – erwartet, und sei es nur eine solche, die sich der für das GGIAS entscheidenden Thematik der „Truth Conditions of  a Perfect Hotel“ widmen. Angekündigt wurde nun ein Band zur Frage des „Special Need Hotel Business“, das Fragen nach der angemessenen Unterbringung von Spitalpatienten, Strafvollzugsinsassen, Schiffbrüchigen (braucht jede – auch unbewohnte – Küstenregion ein X>5-Sterne Hotel?), Studentenwohnheimbewohnern, IC-Reisenden und Absolventen höherer akademischer Studiengänge mit intergalaktischer Anerkennung behandeln soll.

In einer der nächsten Nummerns der vom OGIAS herausgegebenen IBFOROS – International Black Forest Review of Omniscience. A Peer-Reviewed Journal for All Science with Peerless Research wird ein Beitrag des seit geraumer Zeit im Schwarzwald wandernden Peripatetikers Pelegrin Semper zu aktuellen Fragen der transzendentalen Angelologie erwartet. Nicht auszuschliessen ist aber, dass er sich dem Thema „Formale und tranzdentale Kriterien der Seligsprechung Sterblicher“ widmen wird. – Oder vielleicht auch einigen Ratschlägen über philosophisch bedeutsame res necessariae zu Wanderungen im unwirtlichen Schwarzwald. Jeder dieser Beiträge wäre sowohl für die theoretische als (!) auch die praktische Philosophie ein nützliches Novum.

Oktober 4, 2010

Excerpta – aus den Büchern der kürzesten Geschichten

Einsortiert unter: Excerpta — derherausgeber @ 11:33 pm
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Vollendete Harmonie

Unsere Welten sind voller Rätsel, die uns umgeben wie die Luft, die wir atmen, das Licht des Tages, die Finsternis unserer Nächte.
So fliehe ich oft am Nachmittag vor ihnen, nach den Stunden über den Büchern, hinaus aus dem Appartement, in den Jardin. Dort suche ich mir, ein alter, unbemerkter Mann, gestützt auf seinen Stock, eine Parkbank inmitten der Menge der Vorübereilenden, der gemächlichen Spaziergänger, der Verweilenden.
Ich sammele nicht nur die Bücher, die ich gelesen habe oder lesen sollte, sondern auch Gesichter; denn wenn einige unsere Rätsel einmal eine Antwort finden werden, dann dort. Dort, wo unsere Lebensläufe, Schicksale, die Sehnsucht, die Suche, das Glück und – oft- das Unglück aufbewahrt sind.
Aber nun zu der kurzen Geschichte, von der zu berichten mir – vielleicht als einziges – aufgetragen ist.
An einem dieser Nachmittage sass, mir gegenüber, auf der anderen Seite des geharkten Weges eine junge Frau allein auf der Bank und las. Ihr dichtes schwarzes Haar leuchtete vor der roten Blütenfülle eines Rosenbusches. Dem ersten Blick erschien sie unauffällig, dem zweiten ihrer selbst sicher und bewusst. Als sie dann – wie es so oft geschieht – von ihrem Buch aufblickte und zu mir herübersah, traf mich der Blick ihrer blauen klaren Augen und ihres hellen offenen Gesichtes wie ein plötzlicher Schmerz, der Schmerz jäher, versunkener Bilder. Ein Turm, eine Frau, die weite Sicht über eine kleine Stadt, eine grüne Ebene, dahinter die sich verlierenden Berge … „Nun weisst Du alles über mich.“ – „Ja, ich danke Dir. – Ich habe es wohl schon immer gewusst.“ antwortete sie, ergriff ein letztes Mal meine Hand, sah mich mit tränengefüllten Augen an und ging fort … Sie hiess, ja, sie hiess Ariadne.
Der Bilderstrom brach jäh ab – vor der Bank stand ein junger Mann, beugte sich zu Boden, als suche er etwas, ging weiter, kehrte nach wenigen Augenblicken zurück, hielt wiederum inne und schaute die Frau an, die nun wieder las. Dann trat er an den Rosenbusch, brach eine der Blüten, setzte sich neben die junge Frau und sprach leise zu ihr – ich konnte die Worte, trotz der geringen Entfernung, nicht verstehen. Dann reichte er ihr die Blume. Sie sah ihn an, nahm mit ihrer Rechten die Blüte, mit der Linken berührte sie mehr als einen Augenblick lang seine ausgestreckte Hand.
So sassen sie regungslos und blickten einander in die Augen. Die sich pötzlich mit Tränen füllten – die Seinen wie die Ihren. Sekunden – oder waren es Tage, Monate, Jahre, Ewigkeiten? – verstrichen. Jäh legte sie das Buch auf die Bank, die Blüte darauf, wandte sich ab, stand auf und ging fort. Nach wenigen Schritten hielt sie inne, wandte sich um, winkte ihm zu, ging weiter und tauchte ein in den Strom der Spaziergänger auf dem Hauptweg des Jardin. Er sass erstarrt, dann schlug er die Hände vor das Gesicht.
Einige Minuten lang rang ich um Fassung; der junge Mann sass immer noch, das Gesicht in den Händen verborgen, mir gegenüber. Ich ging zu ihm hinüber, setzte mich neben ihn auf die Bank. „Ich habe gesehen, wie Sie ankamen und wie sie fortging“ – Er blickte auf: „Wissen Sie, was gerade geschehen ist?“ – „Das weiss ich nicht. – Kannten Sie diese Frau?“ fragte ich zurück. – „Nein, aber ich wusste immer, dass ich ihr eines Tages begegnen müsse. Und als sie mich ansah, konnte ich in ihren Augen die kommenden Jahre, unser ganzes Leben, ja sogar unsere Kinder sehen.“ – „Und dann kamen Ihnen die Tränen?“ – „Ja, ich habe geweint.“ – „Wissen Sie auch, was sie erblickte, als sie in Ihre Augen sah?“ – „Wissen Sie es?“ – „Das nicht, aber ich vermute, sie sah dieselben Bilder wie Sie.“
Er schwieg und sah mich an, als erwarte er, dass ich weiter spräche. „Nein, auch wenn Sie ihr gefolgt wären, hätten Sie sie nicht aufgehalten. – Nehmen Sie diese Rose,“ sagt ich und hielt ihm die Blume entgegen, die er selbst gebrochen hatte, „Hüten Sie sie und hüten Sie sich vor ihr.“
Er schaute mich noch immer schweigend an.
„Es geht wohl nicht anders. – Und ich glaube, sie heisst Ariadne.“ setzte ich hinzu.
„Ich werde sie hüten.“ antwortete er schliesslich, nahm sie aus meiner ausgestreckten Hand, stand auf und ging, ohne sich nochmals umzuwenden, fort.
„Geben Sie Acht, all unsere Fäden sind sehr dünn!“ rief ich ihm nach.
Neben mir auf der Bank lag das Buch, in dem sie gelesen hatte. Es war eines der wenigen Exemplare, die von Kaspar Viators Encyclopedia angelorum erhalten sind. – Und hatte ihr Gesicht nicht den Ausdruck eines jener Engel, die irrtümlich – also nach der Höheren Vorsehung – in unserer Welt gestrandet sind, hier die eigene Fremdheit spüren, aber nach göttlichem Verdikt nicht mehr wissen dürfen, woher sie kommen und wohin sie gehören?
Der kleinere Trost ist mir geblieben: Trotz meiner Inserate in den Zeitungen und der Meldung bei der Polizei kam weder die junge Frau noch sonst jemand, um das Buch bei mir abzuholen …

August 29, 2010

Aus dem Buch der Anfänge

Einsortiert unter: Excerpta — derherausgeber @ 11:30 pm

Wie alle mittelmässigen Autoren wusste er nur eine einzige Geschichte zu erzählen. Dies hatte ihn nie irritiert, war er sich doch sicher, dass sie erzählt werden müsse! – Und war nicht auch dem Geist anderer Genies nur ein einziges Opus entsprungen? Hatte denn nicht Vivaldi nur ein einziges Werk komponiert – wenngleich mehr als achthundert Mal?

Dieser Art unbeirrt hatte er anfangs geglaubt, die Geschichte, die ihm zu erzählen aufgetragen sei, müsse seine eigene sein. Dennoch hatte er es sich stets versagt, den Satz „Geboren wurde er als …“ zu schreiben. – Und er wusste warum! Hatte nicht erst kürzlich ein vielgerühmter, vielgeschmähter, dann doch mit dem Nobelpreis dekorierter Autor seiner Sprache, sich – nach lange aufgeschobenen persönlichen Enthüllungen – bemüssigt gefühlt, seine Biografie zu beginnen mit der zeichenhaften Verknüpfung des Ausbruchs eines grossen, ja des grössten! bisherigen Krieges und seinem Eintritt ins Leben?

Soviel war ihm wohl bewusst, dass, wenn er als Kind mit dem Dreirad heftig gestürzt und an den Folgen verstorben wäre (nein, man darf die Fragen der frühkindlichen Traumen nicht unterschätzen – weder so noch so!), dies für den Gang der Welt völlig unerheblich, weil unbemerkt, geblieben wäre.

[Die folgenden Zeilen dieses Blattes verschwimmen, als seien sie in einen starken Regen geraten. - Bei Schriften aus dem Umfeld einer peripatetischen Autorengruppe ist damit natürlich immer zu rechnen. Anm. d. Herausgebers]

Juli 30, 2010

unterwegs

Einsortiert unter: Unsignierte Blätter — derherausgeber @ 8:21 pm

[Anm. des Herausgebers: Neulich kam uns über Johannes, den Einsiedler, ein unsigniertes Blatt zu Händen, das wir aus diesem Grund - bzw trivialerweise - den 'unsignierten Blättern' zuordnen. Auch wenn wir seine Handschrift nicht erkennen konnten, müssen wir vermuten (oder befürchten), dass es von unserem Freund stammt.]

in all den jahren
vielen tausend menschen
begegnet – alle nahmen aus
offenen händen ihr teil und
gingen vorüber
wie
diese jahre des
hoffens der arbeit
der tränen des
grauens

hier im
fremderen süden

nach all diesen jahren
einsamer noch als
zu beginn
niemand sah je mir
ins gesicht in die
augen niemand
ergriff meine
hand

(ich weiss
du
hast es
versucht)

auch die kinder
zogen – wie sie es
müssen – längst
fort – in der fernsten fremde
das naheste rätsel zu lösen
die antwort der letzten unsagbaren frage
zu finden (im gespräch mit
den freunden) oder
jenseits des ozeans die welt
zu gewinnen

(immerhin ist es ein
vorrecht von ihren
aventiuren per
mail oder telefon
zu erfahren das –
ich schätze es -
weitet die
welt)

hier aber wird
immer grösser die
letzte der

fragen

Juli 27, 2010

Zettelkasten – Notizen zur Metaphysik

Einsortiert unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 9:48 pm
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Wirft man einen Blick auf die neuere metaphysische Literatur, werden dort unterschieden

Objekte in:
    - realia (allerdings selten)
    - possibilia
    - ficta
    - impossibilia

Welten in
    - aktuelle Welten (actual worlds)
    - mögliche Welten (possible worlds)
    - unmögliche Welten (impossible worlds)

Vorkommensweisen in
    - existierende Entitäten, vor allem Objekte
    - nicht existierende Entitäten, v.a. Objekte (nonexistent objects)

Vor gut 25 Jahren erschien ein Aufsatz mit der einprägsamen Überschrift „Are there nonexistent objects? Why not? But where are they?“, der ein Schlaglicht auf eine der entscheidenden Fragen wirft: In welcher Form ist, was nicht existiert?.

Einschlägige Literatur findet sich in sehr verschiedenen Feldern:

- science fiction (aber: Vorsicht! …)
- Theorie der Parallelwelten und der möglichen Welten
- Uchronie und kontrafaktische Geschichte
- Zu Possibilia: Neben der modernen metaphyischen Literatur – nein, jetzt kein Hinweis auf das schon öfters bemühte „Handbook
   of Metaphysics“ – u.a. Erzählungen von Borges und Calvino.

Weitere? …

Juni 27, 2010

Aus den unsignierten Blättern

Einsortiert unter: Unsignierte Blätter — derherausgeber @ 1:55 am

Eines Morgens, so wird berichtet, war er fortgegangen, hatte alles zurückgelassen – aber kein Wort der Erklärung für seine Freunde.

Nur einer der Freunde erinnerte sich, dass vor vierzig Tagen sein jüngster Sohn aufgebrochen war in die Fernen auf der anderen Seite der Erde. Und nun hatte ihn nichts mehr hier gehalten …

Vielleicht war es das Entsetzen über den Ort, an den er – sei es durch Zufall oder Nowendigkeit – geraten war, das alle seine Kinder fortgetrieben hatte. Sicherlich hatte er immer versucht, seine Schrecken zu verbergen wie eine idiopathische Krankheit – aber entweder waren sie so offensichtlich oder seine Sehnsucht in die Ferne einer nie gekannten Heimat so unwiderstehlich, dass es die Kinder nach ihren ersten eigenen Schritten sogleich fortgezogen hatte – an Orte, die weder Vater noch Mutter je gesehen oder betreten hatten.

April 2, 2010

Anm. d Hrsg. zu Tagesnotizen – Rast

Einsortiert unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 8:15 pm

—————————————
Anm. des Herausgebers:
Auf der Rückseite der Tagesnotizen mit dem Text der ‘Rast’ aus der Winterreise fand sich bei erneuter Sichtung eine fast zur Unleserlichkeit verblichene Textskizze, deren Rekonstruktion wir hier wiedergeben.

Durchstreife einen Wald, weiss nicht woher, spüre ein Ziel, weiss keine Wege. – Unruhig, in Eile. Dann plötzlich eine grosse Lichtung, darauf ein stattliches Haus, Nebengebäude. – Menschenstimmen, aber niemand sichtbar. Nähere mich vorsichtig – will niemandem begegnen, der mich aufhielte. – Verborgen hinter dem Haus überfliegt der Blick eine Gesellschaft … inmitten plötzlich: sie – lange bekannt, noch nie gesehen. – Plötzliche Schwäche, Übelkeit – zurück in den Schatten des Hauses. – Nicht jetzt die Zeit für eine solche Begegnung. Das Unwiederbringliche ist nicht bedeutsamer als das Notwendige …
Plötzlich die Erinnerung: Das vergessene Lied und die Fertigkeit des Fliegens – sich schlank machen, die Arme an den Körper pressen, Fäuste ballen, sich empor denken … – Es wirkt – wie früher … das Haus zusehends kleiner, Menschen von oben wie Käfer, noch ein wenig mehr Höhe und dann sicher verborgen in den Wolken …
Ein Blick zurück – dort: Eine Gestalt gewinnt an Grösse – folgt – sicher und schnell. – Auf gleicher Höhe die ausgestreckten Hände der Blick Auge in Auge die Tränen das Lachen die Berührung
Aus der Höhe (wie von später herüber) Kinderstimmen …

Februar 2, 2010

Maximen und Reflexionen

Einsortiert unter: Maximen und Reflexionen — derherausgeber @ 10:34 pm

Zur Pädogogik
Die professionelle Pädagogik ist der Versuch, das Bestehende fortzuschreiben unter dem Vorwand es zu verbessern.

Das einzige Spezifikum, das die professionelle Pädagogik gegenüber anderen Disziplinen besitzt, ist die Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte und der ihrer Institutionen.

Zur Psychoanalyse (einem Freund, Psychoanalytiker, beim Mittagessen verdankt)
Die Psychoanalyse ist eine anerkannte Form der Psychotherapie mit nachweisbarer Wirkung, deren durchschnittliche Durchführungsdauer die statistische Lebenserwartung der Klienten um ein Mehrfaches übersteigt.

Ein neues psychosomatisches Syndrom aus dem Umfeld der Leib-Seele-Problematik ist
der chronische Denkschmerz

Januar 17, 2010

Kasimirs Zettelkasten – Tagesnotizen

Einsortiert unter: Zettelkasten — derherausgeber @ 9:38 pm

Januar, in grosser Kälte

Heute im Vorübergehen, unvermutet, Schuberts Winterreise. Kaum Zuhörer. Eine Gelegenheit, sich zu wärmen … Aber – wie die Vollkommenheit dieser komponierten Ausweglosigkeit ertragen? – Vor allem dort, wo man ihr nicht zu widerprechen vermag …

    Rast

    Nun merk’ ich erst wie müd’ ich bin,
    Da ich zur Ruh’ mich lege;
    Das Wandern hielt mich munter hin
    Auf unwirtbarem Wege.
    
    Die Füße frugen nicht nach Rast,
    Es war zu kalt zum Stehen;
    Der Rücken fühlte keine Last,
    Der Sturm half fort mich wehen.
 
 
Andererseits – immer wieder die Wegzeichen für die offenen Augen jener, die …
 

    
 
 
… weitergehen …

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