Wie alle mittelmässigen Autoren wusste er nur eine einzige Geschichte zu erzählen. Dies hatte ihn nie irritiert, war er sich doch sicher, dass sie erzählt werden müsse! – Und war nicht auch dem Geist anderer Genies nur ein einziges Opus entsprungen? Hatte denn nicht Vivaldi nur ein einziges Werk komponiert – wenngleich mehr als achthundert Mal?
Dieser Art unbeirrt hatte er anfangs geglaubt, die Geschichte, die ihm zu erzählen aufgetragen sei, müsse seine eigene sein. Dennoch hatte er es sich stets versagt, den Satz “Geboren wurde er als …” zu schreiben. – Und er wusste warum! Hatte nicht erst kürzlich ein vielgerühmter, vielgeschmähter, dann doch mit dem Nobelpreis dekorierter Autor seiner Sprache, sich – nach lange aufgeschobenen persönlichen Enthüllungen – bemüssigt gefühlt, seine Biografie zu beginnen mit der zeichenhaften Verknüpfung des Ausbruchs eines grossen, ja des grössten! bisherigen Krieges und seinem Eintritt ins Leben?
Soviel war ihm wohl bewusst, dass, wenn er als Kind mit dem Dreirad heftig gestürzt und an den Folgen verstorben wäre (nein, man darf die Fragen der frühkindlichen Traumen nicht unterschätzen – weder so noch so!), dies für den Gang der Welt völlig unerheblich, weil unbemerkt, geblieben wäre.
[Die folgenden Zeilen dieses Blattes verschwimmen, als seien sie in einen starken Regen geraten. - Bei Schriften aus dem Umfeld einer peripatetischen Autorengruppe ist damit natürlich immer zu rechnen. Anm. d. Herausgebers]